die erste Mehrtages-Radtour – von Berlin bis zur Ostsee

die erste Mehrtages-Radtour – von Berlin bis zur Ostsee

Unsere neue Heimat bietet viele Möglichkeiten und war der Ausgangspunkt für meine erste Mehrtagestour mit dem Fahrrad. Wie ich ursprünglich auf die Idee kam weiß ich nicht mehr, aber irgendwann hatte ich den Entschluss gefasst, unbedingt mit dem Fahrrad zur Ostsee fahren zu müssen. Schnell bot sich ein Mitfahrer an, mein Schwiegervater, und der Zeitpunkt richtete sich nach seinem Urlaub, die Pfingstwoche, und die Vorbereitungen konnten beginnen. Unsere Unterkünfte buchte ich vorab, da es eine typische Urlaubswoche in Deutschland ist und wir für unsere erste Tour kein Risiko eingehen wollten. Im Nachgang muss ich sagen, wir hätten bestimmt immer etwas gefunden. So war unsere Route fest und wir „mussten“ ankommen, was für die erste Tour auch Vorteile hat. Ich habe eine tägliche Etappe von 50 bis 70 km geplant, was jedoch immer etwas mehr geworden ist, wie ihr später lesen werdet. Bei meiner Planung habe ich mich immer an den Kilometern und Richtung Norden orientiert, mit dem Zwischenziel Burg Stargard, da wir dort zum Grillen verabredet waren.

Der Plan:

Berlin – Wandlitz – Zehdenick – Burg Stargard – Anklam – Trassenheide auf Usedom – Stralsund
Es mussten vor Tourantritt noch einige Besorgungen gemacht werden, schließlich waren wir beide nicht für eine Radtour ausgestattet. Trotz meiner Abneigung gegen die hässlichen Radlerhosen, wanderten sie in mein Gepäck.
Eine genaue Packliste mit Tipps findet ihr hier.
Wir waren beide sehr gespannt, wie es sein wird mehrere Tage mit dem Fahrrad unterwegs zu sein.

1. Etappe von Berlin Köpenick nach Wandlitz

Unsere Taschen waren gepackt und es konnte losgehen. Ohne Frühstück, mit einem Kribbeln im Bauch vor Aufregung starteten wir Richtung Innenstadt für ein Frühstück im Café Velicious, denn mit leerem Magen fährt es sich nicht so gut.
Los geht`s mit voll gepachten Taschen über die holprigen Straßen Berlins. Da Berlin einiges zu bieten hat, machen wir noch einen Abstecher durch die Innenstadt, bevor wir uns Richtung Norden bewegen. Berlin alleine bietet so viele Fahrradtouren, dass wir unsere Woche auch hier verbringen können, aber das war nicht der Plan. Die Beschilderung ist für uns nicht ganz eindeutig und so fahren wir im Zick Zack über Friedrichshain, Prenzlauer Berg und Französisch Buchholz raus aus Berlin. Von der Stadtgrenze bis zum Wandlitzsee sind es nur noch 14 km und angenehm zu fahren. Unsere erste Unterkunft, der Barnimer Hof, befindet sich kurz vor Wandlitz. Wir packen unsere Taschen ins Zimmer und schwingen uns nochmal aufs Rad, um den Wandlitzsee zu genießen. Rund um den See finden sich ruhige Plätze mit Zugang zum Wasser und auch wir können unsere Füße abkühlen.

Strecke

Französisch Buchholz (Berlin)
Schönerlinde

Entfernung

71 km (ab Schmöckwitz)
in 4:17 Stunden

Unterkunft

Barnimer Hof
Preis: Zweibettzimmer 45€ +10€ Frühstück p.P.

2. Etappe von Wandlitz zum Ziegeleipark Mildenberg

Für den 2. Tag hatte ich extra eine kürzere Tour geplant, da ich nicht wusste wie wir das Fahren vertragen. Am Morgen ging es uns, bis auf ein kleines Ziehen, gut und wir entschieden der Empfehlung des Hotels, zum Liepnitzsee zu fahren, zu folgen. Es hat sich gelohnt. Überzeugt euch selbst:
Der See ist wirklich schön und bietet tolle Möglichkeiten. Der Rundweg um den See ist ca 9km und kann erweitert werden. Es gibt einige Badestellen und eine Insel mit Café/Biergarten und Zeltplatz. Nach der Umrundung ging es über Wandlitz Richtung Norden. Hier sind wir auf den Havelradweg & den Radweg Berlin-Kopenhagen getroffen. Gut ausgebaut und beschildert führt er die Havel entlang bis nach Mildenberg.
Man fährt durch die Tonstichlandschaft, die durch den Abbau von Ton im 19. & 20. Jhd entstanden ist. Die Tonstiche haben sich über die Zeit mit Wasser gefüllt und bilden heute eine einzigartige Landschaft. Den Abend verbrachten wir im Gelände des Ziegeleiparks. Dieser hatte eigentlich schon geschlossen, aber da wir im Restaurant aßen, durften wir uns das Gelände noch ansehen. Interessant, was man über Ton & die Ziegelherstellung lernen kann. Wusstet ihr, dass hier einst Europas größte Ziegeleiproduktion war?
Besonders Familien empfehle ich einen Besuch und bin sicher ihr könnt dort den ganzen Tag verbringen. Unsere Unterkunft, die Kaserne, war sehr einfach, aber sauber und völlig ausreichend. Die Mitarbeiter sind wahnsinnig nett und hilfsbereit. Nachdem etwas mit der Buchung schiefgegangen ist und wir nicht geplant waren, haben wir erstmal ein Radler bekommen und in Windeseile wurde alles gerichtet.

Strecke

Liepnitzsee - Wandlitz - Stolzenhagen - Zehlendorf - Liebenwalde - Krewelin - Zehdenick - Ziegeleipark Mildenberg

Entfernung

66 km
in 4: 15 Stunden

Unterkunft

Alter Hafen - Betten in der Zieglerkaserne
Preis: wir hatten aufgrund der Umstände einen Sonderpreis - Normalpreis 25€ p.P. + 9.50€ p.P. für Frühstück

3. Etappe vom Ziegeleipark Mildenberg nach Burg Stargard

Erstmal frühstücken in der 5km entfernten Mühle Tornow. Eigentlich öffnet die Mühle erst um 11 Uhr, aber wir durften uns für 9 Euro p. P. am Buffet und dem Kaffeeautomaten bedienen. Super nett und der richtige Start in den Tag. Ich liebe die Mühle und war bereits ein paar Mal auf der Durchreise hier. Der Hof ist einfach gemütlich und der Kaffee lecker. Nebenan in der Kaffeerösterei wird einer meiner Lieblingskaffees „Weltreise“ geröstet. Allein der Name ist schon passend und natürlich konnte ich nicht widerstehen und habe eine Packung mitgenommen. Unser nächster Stop war beim Weihnachtsmann in Himmelpfort. Hier werden jedes Jahr im November unzählige Briefe aus aller Welt von den Weihnachtsmannhelferlein beantwortet.
Weiter nach Mecklenburg bis zum Eingang des Nationalparks Müritz. Kurz vor dem NP machen wir Rast bei Ritas Imbis in Wokuhl, nachdem wir von der Strecke zwischen Neuthymen und Dabelow geschafft sind. Eine Sandpiste ist wirklich nichts zum Rad fahren. Absteigen war jedoch auch keine Option, da uns dann die Mücken gefressen haben. Die Strecke durch den NP war für mich einer der schönsten Abschnitte und sehr angenehm zufahren. Am Nachmittag erreichten wir pünktlich den Grilltreffpunkt und nach einem gemütlichen Essen ging es die letzten Kilometer nach Burg Stargard. Die Unterkunft Hotel Kreuzbruchhof war sehr eigenartig und auf keinen Fall zu empfehlen.

Strecke

Ziegeleipark - Blumenow - Himmelpfort -Dabelow -Wokuhl - Wulsohendorf - Carpin - Georgenhof - Groß Schönfeld -Blankensee -Godenswege - Burg Stargard

Entfernung

76 km
in 4:48 Stunden

Unterkunft

Hotel Kreuzbruchhof - Kann ich nicht empfehlen!
Preis: 39€ für ein Zweibettzimmer

4. Etappe von Burg Stargard nach Anklam

Schnell weg von der Unterkunft. Deswegen haben wir entschieden in Neubrandenburg zu frühstücken und dann unsere Fahrt zur Ostsee fortzusetzen. Heute ging es durch Mecklenburg Vorpommern und das war definitiv die „einsamste“ Strecke. Die Dörfer waren wie ausgestorben und wir sind zwischen Neubrandenburg und Anklam kaum Menschen begegnet. Dafür haben wir viele Tiere gesehen u.a. Rehe, Fuchs, Störche, Reiher. Auch die Beschilderung der Radwege war dürftig und ohne Mapsme hätten wir den Weg schwerlich gefunden.
Wir sind eigentlich ab Neubrandenburg an dem Fluss Datze entlang gefahren bis kurz vor Friedland. Von dort ging es über Salow, Spantekow, Neuenkirchen und Blesewitz nach Anklam.
Nachdem wir unser Gepäck im Hotel abgegeben hatten, sind wir frisch geduscht in die Stadt. Im Hofcafé genossen wir Kaffee und selbstgebackenen Kuchen in kreativer Atmosphäre. Den hatten wir uns verdient.

Strecke

Burg Stargard - Neubrandenburg - Pleetz - Salow - Spantekow - Neuenkirchen - Blesewitz - Anklam

Entfernung

65 km
in 4:39 Stunden

Unterkunft

Hotel am Stadtwall
Preis: 79€ für ein Doppelzimmer inkl. Frühstück

5. Etappe von Anklam nach Trassenheide auf Usedom

Nach einem guten Frühstück in unser Unterkunft konnte die vorletzte Tour beginnen. Da, laut Aussage des Hotels und einem Schild auf dem Weg, die Anklamer Fähre nicht fährt, mussten wir bis nach Kamp radeln um nach Usedom zu kommen. Die Fähre in Kamp fährt ab 11 Uhr und kann bei Bedarf gerufen werden. Wir waren bereits 1 Stunde vorher da und gönnten uns ein alkoholfreies Radler. Da ein Mitradler von den Fischbrötchen schwärmte, packten wir fürs Mittag welche ein. Sie waren wirklich lecker, aber bekommen sind sie uns irgendwie nicht. Pünktlich um 11 Uhr stand die Fähre da und wir konnten mit 8 weiteren Personen + 8 Fahrrädern auf´s Boot. Für 9.50€ p. P. gab es die Überfahrt inkl. Fahrrad und zu Beginn gab der Kaptain eine Runde Gummibärchen aus.
Wir wollten abseits der großen Straßen fahren und entschieden uns nach Wertklüne um dort über die Brücke zu radeln, dachten wir. Angekommen in dem kleinen Dorf gab es keine Brücke sondern nur ein kleines Paddelboot und eine KIingel, falls man auf die andere Seite wollte. Mit Fahrrad? Wir klingelten, ein Mann kam mit seinem Paddelboot, wir mussten unsere Taschen von Fahrrad nehmen, er packte die Fahrräder, verstauten die Taschen, wir durften aufsteigen und er paddelte los. Für 2€ pro Person waren wir im Nu auf der anderen Seite.
Weiter ging es Richtung Mellenthin (Achtung hier gibt es einen Radweg durch den Wald) und dann auf dem Radweg an der Hauptstraße entlang. Die letzten Kilometer fuhren wir parallel zur Ostsee und konnten immer wieder einen Blick erhaschen. Angekommen in Trassenheide ging es erstmal an den Strand, bevor wir den Pool des Hotels stürmten.

Strecke

Anklam - Kamp - Karnin - Westklüne - Welzin - Mellenthin - Schmollensee - Koserow - Zinnowitz - Trassenheide

Entfernung

71km
in 4:42 Stunden

Unterkunft

Seeklause
Preis: 64€ für ein Zweibettzimmer inkl. Frühstück (super) und Wellnessbereich

6. Etappe von Trassenheide auf Usedom nach Stralsund

Eigentlich wollten wir über Rügen, dachten aber es fährt keine Fähre also planten wir die Strecke über Land und uns war schon ganz Angst und Bange, da es der längste Abschnitt werden würde. Am Abend zuvor kamen wir mit einem netten Kellner ins Gespräch, der uns die Infos zur Fähre besorgte und wir buchten spontan. Abfahrt mit Adler Schiffe um 9 Uhr in Pennemünde mit Ankunft 12:15 Uhr in Binz auf Rügen. Perfekt! Wir zahlten 15,50€ p. P. plus 6€ je Fahrrad und hatten eine schöne Überfahrt.
Angekommen in Binz hieß es wieder aufsatteln und treten. Leider haben wir irgendwo die falsche Abzweigung genommen und uns dann, dank eines nett gemeinten Hinweises eines Einwohners in die Irre leiten lassen. Somit fuhren wir quer über die Insel und zwischenzeitlich auf einer stark befahren Straße. Das war definitiv kein Vergnügen!
Ich kann nur empfehlen auf den Fahrradwegen zu bleiben. Leider habe ich die Seite Radfahren auf Rügen erst im Nachgang gefunden. Danach hätten wir von Binz nach Groß Stresow – Lautenbach – Garz – Groß Schoritz -Poseritz – Gustow -Stralsund fahren sollen. Naja, das nächste Mal. Zehn Kilometer vor Stralsund ist dann noch mein Gepäckträger gebrochen und wir mussten mit Satteltaschenrucksack weiter. Mein Tipp : jeden Tag nach den Schrauben, von vor allem neu angebrachten Teilen, schauen. Ich habe bereits am Vortag gemerkt, das etwas nicht stimmt. Auf die Schrauben bin ich nicht gekommen. In Stralsund angekommen ging es direkt ins Brauhaus zu Störtebeker, da wir wirklich Hunger hatten.
Den nächsten Tag haben wir noch zu viert in Stralsund verbracht bevor es mit dem Auto wieder nach Hause ging. Auf dem Heimweg war es irgendwie erschreckend, wie schnell man an den Orten ist, an denen man Tage vorher vorbeikam.

Strecke

nicht zu empfehlen

Entfernung

70 km
in 3:45 Stunden
hinzu kommen 3:15 Stunden für die Überfahrt mit dem Schiff

Unterkunft

Appartements Sonne am Sund
Preis: für 4 Personen 125€

Tipps:

  • Schrauben täglich prüfen
  • ausreichend Wasser mitnehmen (mindestens 2 l)
  • Brotbox für Essen mitnehmen, da es unterwegs kaum Möglichkeiten zum kaufen gibt
  • gute Karte oder Navi mitnehmen, da Beschilderung teilweise sehr schlecht
  • 10% Puffer bei der Streckelänge einplanen (Wir sind eigentlich jeden Tag mehr als geplant gefahren.)

Fazit:

Schön war`s!

Definitiv eine andere Art zu reisen. Trotz der Anstrengung und Bewegung ist es entspannt, da man langsam reist. Die Natur zieht nur langsam an einem vorbei und deshalb habe ich sie viel intensiver wahrgenommen. Meine Befürchtungen, dass die Schmerzen groß sein werden, haben sich zum Glück nicht bewahrheitet. Ab Tag zwei hat mich der Muskelkater zwar nicht mehr verlassen, aber er war nur sehr leicht. Zusätzlich kam jeden Tag ab Kilometer 50 der Schmerz beim Sitzen. Allerdings tat ab diesem Zeitpunkt auch das Aufstehen aus dem Sattel weh, was mir vorher nicht bewusst war. Für uns würden wir wieder Etappen zwischen 50-70 km planen und längere Strecken empfehle ich für die erste Tour nicht. Unterkünfte hätten wir mit Sicherheit immer vor Ort bekommen. Der Vorteil oder auch Nachteil an der Vorbuchung ist: man hat ein Ziel, was man erreichen muss. Jetzt plane ich die nächste Tour für den Herbst und das wird nicht die letzte Mehrtagestour sein.

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